Abschiednehmen. Murielle Kälin nimmt sich Zeit

 

Mich dünkt, Murielle Kälin ist ein Multitalent. Die junge Frau mit den braunen Augen und dem krausen Haar schloss eine kaufmännische Lehre ab und arbeitete danach jahrelang als Bankerin. In dieser Zeit absolvierte sie berufsbegleitend eine 3-jährige Ausbildung im Literarischen Schreiben an der EB Zürich und belegte einen 3-jährigen Lehrgang als Laienschauspielerin am Schwager Institut in Olten. Zudem veröffentlichte die Oltnerin im eigenen tausendStrassen-Verlag bereits drei Romane und ein Theaterstück. «In allen gehts um die Liebe. Aber es sind keine Liebesromane im klassischen Sinn, vielmehr beleuchten sie das Wesen der Liebe», sagt die Schriftstellerin und schmunzelt vielsagend. Wer genaueres wissen möchte, kann Bücher via Homepage tausendStrassen.ch bestellen und alles nachlesen.

Das Schreiben, die Schauspielerei und die Regiearbeiten sind wichtige, aber nicht die wichtigste Sache im Leben der Murielle Kälin. Sie lacht und verweist auf ein erklärendes Zitat. Es steht auf ihrer Homepage schlusslicht.ch.  «Alles hat seine Zeit. Das Leben, die Liebe, die Freude, das Glück, die Dankbarkeit … und das Abschiednehmen»

«Das Abschiednehmen hat seine Zeit», sagt Murielle Kälin, die sich u.a. als Abschiedsrednerin bezeichnet. «Jeder von uns geht, wenn es Zeit ist.» Sie hält inne, lässt ihre Wort wirken. «In dem wir trauern, in dem wir vom Gegangenen, von der Gegangenen Abschied nehmen, verarbeiten wir den Verlust. Dann trauern wir. Und das Trauern ist sehr wichtig.»

Weihnachtsfeier für Hinterbliebene
Murielle Kälin unterstützt Hinterbliebene wo immer sie kann. «Bei der Vorbereitung einer Abschiedsfeier kommen wir uns jeweils sehr nahe. Und in vielen Fällen verbindet uns diese Nähe für lange Zeit. Es entstehen Freundschaften. Sie sind mit ein Grund, dass ich dieses Jahr am 22. Dezember eine Hinterbliebenen-Weihnacht feire.»

 

«Alles hat seine Zeit. 

Das Leben, die Liebe, die Freude, das Glück,

die Dankbarkeit … und das Abschiednehmen.»

 

Murielle Kälins Abschiedsreden sind sehr persönlich. Die dafür benötigten Informationen trägt sie in einem zwei- bis drei-stündigen Vorbereitungsgespräch zusammen. Danach setze ich mich ans Pult und schreibe. «Gibts da nie einen Schreibstau», fragt der Autor die Autorin. Murielle Kälin lacht. «Nein», sagt sie dann. «Die passenden Worte fliessen einfach so aus mir heraus. Alles was es braucht, ist Vertrauen.» Sie lacht wieder. Und der Autor glaubt der Autorin.

Leseproben auf der Homepage
Wer wissen will, wie sich denn so eine Abschiedsrede liest, findet Leseproben auf der Homepage schlusslicht.ch. Eindrücklich, wie Murielle ihren Opa, ihre Oma verabschiedete. Einmal im Jahr führt die fröhliche Frau einen so genannten Bestatter-Apéro durch, dann hören geladene Gäste und Interessierte, wie  eine Abschiedsrede tönt. Sie sehen mit welchen Ritualen die gelernte Schauspielerin eine Feier gestaltet. «Eindrücklich», sagen Leute, die dabei waren.

«So eine Feier, so ein Ritual, das ist natürlich individuell. Ich gehe auf die Trauernden ein oder versuche zu verstehen, wie jemand seinen Abschied von dieser Welt zelebrieren möchte. Ich rede sowohl mit Trauernden, die den Verlust eines Menschen zu beklagen haben, wie auch mit Menschen, die ihren eigenen Abschied mitgestalten wollen. Das sind jeweils eindrückliche Gespräche.»

Murielle Kälin verfasst und hält nicht nur Reden an einer Trauerfeier, an Abdankungen, Bestattungen, an einem Abschiedsfest. Auf Wunsch organisiert sie gleich alles. Etwa die passende musikalische Begleitung, das Leidmahl oder Traueressen, den Blumenschmuck, die Rituale. Sie nimmt den Kontakt zu einem Bestatter, einer Bestatterin auf. Sie berät Angehörige und liefert Ideen für die Art des Grabes, der Urne, des Sarges und so weiter.

Mein Ton trifft das Herz der Menschen
In der Szene heissen Leute wie Murielle Kälin, Ritualberater, Abdankungsredner, Bestattungsredner, Begleitpersonen für Trauerfeiern, Trauerredner, Grabredner, ja sogar Leichenprediger. Dazu kommen die Pfarrer, die Pfarrerinnen, Seelsorgerinnen, Pastoralassistentinnen und die so genannt Freien Redner. Die Konkurrenz ist gross, die Auswahl im Internet riesig.

Murielle Kälin setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Wer eine ihrer Abschiedsfeiern beiwohnen durfte, ist angetan oder nicht. «Trauern. Abschiednehmen ist etwas ganz Individuelles. Ich liebe die Menschen und ich kann mich gut in sie einfühlen. Bis jetzt traf ich noch immer den richtigen Ton, traf noch immer das Herz. Bis jetzt berührten meine Worte noch jeden, noch jede der Hinterbliebenen.»

 

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